Medien in Nigeria

Medien in der Vergangenheit

Wie in vielen afrikanischen Ländern wurden auch in Nigeria die ersten Zeitungen im 19. Jahrhundert durch die Kolonialmacht Großbritanniens gegründet. Die erste Zeitung gab es 1859. Bis zur Unabhängigkeit wurden die meisten Zeitungen durch die Briten produziert. Es gab nur wenige private Eigenproduktionen. Gründe dafür waren die strengen Regeln und Gesetze, hohe Papier- und Produktionskosten, die sich die meisten Nigerianer nicht leisten konnten. Erst nach der Unabhängigkeit und während der Militärdiktaturen entwickelte sich eine bunte Presselandschaft in Nigeria, die natürlich im Zaum gehalten wurde durch anhaltende Pressesanktionen und Überwachung seitens der Regierung. Covington (2003) schreibt, dass es keine komplett freie Presse gab, auch wenn einige Zeitungen sich nicht beugten und ihre Funktion als so genannter „watchdog”, als vierte Gewalt, versuchten auszuüben. Obwohl sie in privaten Händen waren, wurden sie deshalb trotzdem einer Zensur unterzogen oder gleich geschlossen. So wurden 1977 Newbreed 1984 Tribune geschlossen und 1988 wurde das Magazin Newswatch zensiert. Auch die Journalisten selbst waren in dieser Zeit nicht sicher. Beispielsweise wurde 1971 der Journalist Minere Amakiri vom Nigerian Observer verhaftet und sein Kopf kahl rasiert, weil er regierungskritische Berichte geschrieben hatte. Selbst in den 1990er Jahren - kurz vor dem Übergang zu einer zivilen Regierung und den ersten freien demokratischen Wahlen 1999 - wurden die Zeitungen stark zensiert. Auch wirtschaftlich ging es ihnen schlecht. Die Steuern auf den Druck und eine Erhöhung der Produktionskosten führten in dieser Zeit dazu, dass viele Zeitungen geschlossen werden mussten oder ihre Preise dermaßen erhöhten, dass sie nur noch für die Elite des Landes erschwinglich waren. (vgl. Olukoyun, 2004)

Die ersten Radiostationen entstanden ab 1932. In der Anfangszeit wurde kein eigenes Programm produziert, sondern das von der BBC (British Broadcasting Corporation) übernommen und richtete sich somit an die kolonialen Siedler. 1951 wurde der NBS (Nigerian Broadcasting Service) gegründet, um jedoch weiterhin nur die Programme der BBC zu verbreiten. Erst kurz vor der Unabhängigkeit Nigerias sollte der Rundfunk „nigerianischer” werden. 1956 wurde die NBC (Nigerian Broadcasting Corporation) gegründet. Sie war dafür zuständig, dass die Radioprogramme nun in Nigeria von nigerianischen Journalisten produziert wurden. Abgelöst wurde die NBC 1978 von der Federal Radio Corporation of Nigeria. 20 Radiostationen gingen so in Staatshand über. Nur drei weitere Stationen in Lagos, Ibadan und Enugu, sowie in Kaduna blieben zunächst unabhängig und wurden erst später verstaatlicht. (vgl. NBC, 2002)
1962 wurde darüber hinaus noch der Service Voice of Nigeria gegründet von der NBC. Voice of Nigeria ist ein externer Dienst und richtet sich vornehmlich ans Ausland. Nigerias Rolle auf dem afrikanischen Kontinent und auch die Entwicklungen in Afrika sind Kernthemen der Berichterstattung. Anfangs konnte aufgrund der Technik nur in Westafrika gesendet werden, dafür aber in Englisch und Französisch für mehrere Stunden am Tag. 1990 wurde Voice of Nigeria autonom und 1996 verbesserte sich die Übertragungstechnik, so dass das Programm auf der gesamten Welt empfangen werden konnte. Voice of Nigeria hat zwei Studios in Nigeria, in Lagos und der Hauptstadt Abuja. (vgl. Voice of Nigeria, 2007)
Die ersten privaten Radiosender kamen Ende der 1990er Jahre auf, als sich das politische System von Militärdikatur langsam hin zur Demokratie entwickelte. Die ersten freien, demokratischen Wahlen fanden schließlich erst 1999 statt. Doch mit den Veränderungen im politischen System öffneten sich bereits vorher auch die Wirtschaft und die Märkte. Es kam zu einer zunehmenden Liberalisierung, die schließlich auch die Medien ergriff und zur Gründung erster privater Radiosender und Fernsehstationen führte.

Die Entwicklung des Fernsehens in Nigeria begann Anfang der 1970er Jahre. 1977 gab es zehn Fernsehstationen, die sowohl von der nationalen Regierung als auch von lokalen und regionalen gegründet wurden. Kein anderer als der damalige General und heute erste zivile Präsident Nigerias Olusegun Obasanjo gründete 1977 die Nigerian Television Authority (NTA), um die einzelnen Sender zusammen zu bringen und ihre Strukturen zu harmonisieren. Bis 1999 wuchs die NTA. 30 Fernsehsender waren bis dahin unter dem Dach der NTA gegründet und kontrolliert wurden. Die NTA versteht sich als öffentlicher Dienst, der im Interesse Nigerias, unabhängig und objektiv Fernsehrundfunk für die Allgemeinheit produziert. (vgl. NTA, 2007) In den letzten zehn Jahren sind als Konkurrenz zur NTA viele private Fernsehsender entstanden. Auch das neue Medium Internet hatte Nigeria bereits in den 1990er Jahren erreicht.

Aktuelle Situation der Medien

In vielen Aufsätzen und Artikeln zu Medien in Nigeria wie bei Olutokun (2001), Olukoyun (2004) oder auch Hackett (1999: 2) steht immer wieder, dass die Medienlandschaft Nigerias die pulsierend lebhafteste sei in ganz Afrika. Auch die BBC schreibt dies im Länderprofil Nigerias. (vgl. BBC, 2007) Jeder der 36 Bundesstaaten unterhält eigene Radiostationen und Fernsehsender. 2005 sollen mehr als 280 Lizenzen an neue Radio- und Fernsehveranstalter vergeben worden seien. Das Radio ist für die meisten Nigerianer die Hauptinformationsquelle, nur in den größeren Städten wurde das Radio durch das Fernsehen abgelöst. Durch die unbeständige Stromversorgung in Nigeria sind jedoch auch hier Radios noch immer eine wichtige Unterhaltungs- und Informationsquelle. Ein einfaches Radio wird häufig mit Batterien genutzt, während der Fernseher nur über die Steckdose betrieben werden kann. Wenn kein Strom fließt, kann dieser jedoch nicht genutzt werden. Da es in Nigeria Regionen gibt die nicht einmal zwei Stunden Strom am Tag haben, andere sogar keinen Strom für mehrere Monate, ist es nicht verwunderlich, dass das Radio die Hauptinformationsquelle ist. Zudem ist die Technik weitaus aufwendiger und kostspieliger für Fernsehsender als für Radiostationen. Oftmals lässt die Qualität des Fernsehprogramms zu wünschen übrig. Ärmlich eingerichtete Studios, schlechte Übertragungsqualität und technisch sowie fernsehjournalistisch schlecht ausgebildete Journalisten machen das Fernsehen nicht gerade zum Genuss. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich deshalb auch Stationen, die vornehmlich US-amerikanische Fernsehformate, Spielfilme und Serien anbieten.

Die wichtigsten Fernsehsender sind AIT, ein Privatsender in Lagos and Abuja, der auch über Satellit empfangen werden kann. Der Privatsender Minaj TV, der im östlichen Teil Nigerias zu empfangen ist. Der Privatsender Galaxy TV, der den westlichen Teil des Landes abdeckt. Der Privatsender Channels TV, der aus Lagos sendet. Darüber hinaus gibt es Silverbird TV, der auch über Satellit empfangen werden kann und viele ausländische Serien und Spielfilme und Sportsendungen anbietet. Ein ganz neuer Sender ist Gotel, der erst Anfang des Jahres gegründet wurde und in erster Linie US-amerikanische Spielfilme und Serien zeigt und seit Mai 2007 auch eine eigene Nachrichtensendung produziert. Außerdem gibt es in ganz Nigeria auch die Sender der NTA zu empfangen.

Die wichtigsten Radiostationen sind die der staatlichen Federal Radio Corporation of Nigeria, die Radio Nigeria, Radio Lagos und unter anderem auch Radio Abuja betreibt, sowie der Sender Voice of Nigeria. Ein wichtiger Privatsender ist Ray Power, der vor allem Musikradio bietet. Außerdem gibt es die Musiksender Cool FM und Rhythm FM.

In der Presselandschaft findet man bis zu 100 nationale und lokale Zeitungen, einige in staatlicher Hand, die meisten in privater. Viele Tageszeitungen sind im populären Tabloid-Format gedruckt. Zeitungen in Nigeria sind Kaufzeitungen und können sehr früh am Morgen an vielen Kaufständen am Straßenrand oder bei den vielen Straßenverkäufer erworben werden. Die größten Tageszeitungen sind

  • The Guardian (privat, national)

  • The Independent (privat, Lagos),

  • The Champion (privat, Lagos),

  • The Punch (privat, national),

  • The Nation (privat, Lagos),

  • The Vanguard (privat, Lagos),

  • The Daily Sun (privat, Lagos),

  • The Daily Mirror (privat, Lagos) und

  • This Day (privat, Lagos und Umgebung).

Wichtige Magazine sind Newswatch (wöchentlich) und Tell (wöchentlich). (vgl. BBC, 2007)

Die Situation der Medienfreiheit hat sich seit 1999 zunehmend verbessert vor allem für die privaten Medien. Während der letzten Gouverneurs- und Präsidentschaftswahlen im April 2007 zeichnete sich vor allem die Presse durch aktuelle und kritische Berichterstattung aus. Journalisten deckten Korruptionsskandale auf und kommentierten das politische Chaos vor den Wahlen sehr lebhaft. Dennoch belegt Nigeria aufgrund von Gewalt gegen Journalisten, Inhaftierungen und Sanktionen nur Platz 120 des Pressefreiheitsindexes der Reporter ohne Grenzen. (vgl. Reporter ohne Grenzen, 2006)
Der nigerianische Journalist Seyi Oduyela schreibt in einem seiner vielen Online-Artikel nicht nur über dieses Problem nigerianischer Journalisten:

„The magazines that are playing the role of the opposition, attacking the government are denied advertisement on “orders from above.” Insider Weekly does not get as much advertisement as others because they are anti-Obasanjo government. […] I know that many journalists in Nigeria cannot afford to buy a personal Computer; some do not even know how to use it. Talking about Computer-Assisted Reporting to a typical Nigerian journalist is like speaking in tongue in a Pentecostal church.” (Oduyela, 2005)

In vielen Redaktionen gibt es deshalb auch noch Schreiber, die die handschriftlich vorgeschriebenen Texte der Journalisten auf Computern abtippen. Beispielsweise wird dies so gehandhabt beim staatlichen Sender Eko FM/ Radio Lagos, der zur Federal Radio Corporation of Nigeria gehört. (eigene Erfahrungen)

Journalistenausbildung

Mittlerweile bemühen sich die Sender, sowie die Zeitungen selbst um eine bessere journalistische Ausbildung und vor allem um Standards. Auch Institutionen wie die Nigerian Union of Journalists, die International Federation of Journalists und das International Press Center geben Kurse. Viele angehende Journalisten studieren Massenkommunikation (Mass Communications) an den Hochschulen. Doch die dortige Ausbildung bleibt sehr theoretisch. Die einzigen Ausflüge in die Praxis bekommen die Studierenden durch Praktika in den Medien, um die sie sich selbst bemühen. (eigene Erfahrungen)

Internet

Dennoch schreitet die Internet-Verbreitung in Nigeria mit großen Schritten voran. Vor allem in den größeren Städten findet man Internet-Cafes an jeder Ecke. Viele Medien, allen voran die Tageszeitungen, haben das Internet als Medium entdeckt und haben nicht nur eigene Homepages, sondern geben sogar E-Papers heraus. Auch Radiostationen bringen ihr Programm online, so dass es sich jeder im Internet live oder als Download anhören kann. Das Fernsehen im Internet läuft nur schleppend voran, da die meisten Verbindungen gerade ISDN-Qualität haben, was die Übertragungsqualität sehr beeinträchtigt. (vgl. Covington, 2003)
Daneben gibt es auch viele News-Seiten im Internet. Beispielsweise www.nigeria.com (2007) bietet nicht nur Informationen über Nigeria, sondern auch Afrika. Eine weitere Webseite über Nigeria ist www.nigeriaworld.com (2007). Auch hier findet man viele aktuelle Informationen, aber auch allgemeine zu Nigeria, zur Politik und Wirtschaft.
Die rasante Entwicklung bei den neuen Medien zeichnet sich auch im Mobilfunkmarkt ab. Nach Südafrika ist Nigeria der größte Markt für Mobiltechnologie. Der Stadtteil Ikeja in der größten nigerianischen Metropole Lagos wird auch gern als Computervillage oder Silicon Valley Afrikas bezeichnet.
Nach den neuesten Angaben der ITU (International Telecommunications Union) in Genf, einer internationalen Organisation im System der Vereinten Nationen hat sich die Verbreitung des Internets in Nigeria in den letzten Jahren enorm gesteigert. Bei einer geschätzten Bevölkerungszahl von 143 Millionen im Jahr 2000 gab es etwa 200.000 nigerianische User, was nur eine Penetration von 0,1 Prozent ergibt. Im Jahr 2006 bei einer Bevölkerungszahl von etwa 160 Millionen Nigerianer gab es fünf Millionen User, was eine Penetration von 3,1 Prozent ergibt. Eine deutliche Steigerung für ein afrikanisches Land. Im Weltvergleich belegt Nigeria damit nur einen der hinteren Plätze (siehe Kapitel 3). (vgl. Internetworldstats, 2006)

Quellen:

Covington, William Jr. (2003): Nigeria Press, Media, TV, Radio, Newspapers.
[online] http://www.pressreference.com/Ma-No/Nigeria.html (25. Mai 2007)

Olukoyun, Ayo (2004): Media Accountability and Democracy in Nigeria, 1999-2003. In: African Studies Review, December 2004. [online] http://findarticles.com/p/articles/mi_qa4106/is_200412/ai_n10298384/print (30.Mai 2007)

NBC (2002): Federal Radio Corporation of Nigeria- Brief History. [online]
http://www.nbc-nig.org/radio.asp#FEDERAL%20RADIO%20CORPORATION%20OF%20NIGERIA%20(FRCN) (30. Mai 2007)

NTA (2007): The NTA. [online] http://www.ntanetwork.com/thenta.asp (30. Mai
2007)

Voice of Nigeria (2007): VON by law. [online]
http://www.voiceofnigeria.org/about.html (30. Mai 2007)

BBC (2007): Country Profile: Nigeria. (Zuletzt bearbeitet am 29. Mai 2007.)
[online] http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/country_profiles/1064557.stm (30. Mai 2007)

Hackett, Rosalind I.J. (1999): Managing or Manipulating Religious Conflict in the
Nigerian Media. [online] http://web.utk.edu/~rhackett/2edin.book.end.pdf (30. Mai 2007)

Olutokun, Ayo (2001): The Media and Democratic Rule in Nigeria. In:
Development Policy Management Network Bulletin, Vol. XIII, No. 3, September 2001. [online] http://unpan1.un.org/intradoc/groups/public/documents/IDEP/UNPAN004216.pdf (20. Januar 2007)

Oduyela, Seyi (2005): The Media in Nigeria II. (Veröffentlicht am 22. August
2005.) [online] http://www.nigeriavillagesquare1.com/Articles/Guest/2005/08/media-in-nigeria-ii.html (20. Januar 2007)

Reporter ohne Grenzen (2006): Worldwide Press Freedom Index 2006. [online]
http://www.rsf.org/article.php3?id_article=19386. (10. Januar 2007)

www.nigeria.com

www.nigeriaworld.com

www.internetworldstats.com