Medien und Journalismus

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Afrikanische Medien im Spiegel der Zeit

Wenn man die politische Geschichte mit der Geschichte der Medien in Afrika vergleicht, wird man sehen, dass beide sehr eng miteinander verbunden sind.
So kann man von einer kolonialen Medienentwicklung in ganz Afrika sprechen, da im Zuge des Imperialismus der gesamte Kontinent unter europäischen Mächten aufgeteilt war. Die Effekte dieser Vermischung von afrikanischen Traditionen und importierten kolonialen Standards sind bis heute sichtbar.

„Journalistic styles reflect exposure to Anglo-Saxon and Latin press cultures on the one hand, and on the other show how these colonial influences have been married with African values to produce a melting pot of media cultures.” (Nyamnjoh, 2005: 39)

Die ersten Zeitungen entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Kolonialmächte. 1797 in Ägypten, 1800 in Südafrika, 1801 in Sierra Leone, 1826 in Liberia und 1859 in Nigeria - meist gegründet von Missionaren oder rückkehrenden Sklaven. Es gab strikte Regulierungen für Afrikaner, die ihre eigene Zeitung veröffentlichen wollten. Beispielsweise war der Import von entsprechender Technik und Papier schwierig. Der Verkauf der Zeitungen unter Afrikanern wurde zudem erschwert durch die hohe Analphabetenrate. Die ersten Zeitungen wurden somit für die Elite veröffentlicht, meist auch nur in den Kolonialsprachen. (vgl. Nyamnjoh, 2005: 40f.)

„In southern, central and eastern Africa, the press was largely a European creation to serve the information, education and enterntainment needs of the large settlers communities, leaving the black readership at the mercy of an irrelevant content and/or in search of alternative channels of communication.” (Nyamnjoh, 2005: 40)

Der Rundfunk in seinen Anfängen war noch stärker beeinflusst von den Kolonialmächten, da man durch das Radio, fast alle Menschen erreichen konnte. Der Vertrieb war technisch leicht zu realisieren und ein einfaches Transistorradio war ebenfalls leicht zu beschaffen. Der größte Vorteil war aber, dass man durch das Radio die Massen informieren und unterhalten konnte. Bis heute ist das Radio das wichtigste Medium in Afrika - vor allem in nicht urbanisierten Regionen. 1931 begann Frankreich mit seinem kolonialen Radioservice, 1932 folgte die BBC (British Broadcasting Corporation) mit dem British Empire Service in den britischen Kolonien. Bereits 1927 verbreiteten die Niederlande in ihren Kolonien ein eigenes Radioprogramm. Zunächst wurden alle Radioprogramme in den Kolonialsprachen veröffentlicht. Nach einer Weile sendeten sie dann auch in den einheimischen Sprachen, um noch mehr Menschen zu erreichen. Da die Kolonialsprachen nur in den Schulen erlernt werden konnten und somit eine Mehrheit der Afrikaner vom Radioprogramm ausgeschlossen wurde. Zudem benutzten die Kolonialmächte das Radio auch zur Machtsicherung mit standardisierten Programmen, die die Massen von den Imperialmächten überzeugen sollten. Das Fernsehen steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen und musste selbst erst in den Mutterländern aufgebaut werden. (vgl. Nyamnjoh, 2005: 43 ff.)

Zeit der Unabhängigkeit

Als die Kolonien dann 1960 nach und nach Unabhängigkeit von ihren Kolonialmächten erlangten, blieb die zentralisierte und stark kontrollierte Struktur im politischen als auch im medialen System erhalten. „The leaders had drawn inspiration from and added on to the rich repertoire of repressive colonial laws to keep the press and civil society in check.” (Nyamnjoh, 2005: 43) In vielen afrikanischen Ländern folgten Militärdiktaturen oder politische Instabilität bis hin zu Bürgerkriegen und ethnischen Auseinandersetzungen. Die Mediensysteme blieben zentralisiert und verstaatlicht oder existierten gar nicht aufgrund fehlender Ressourcen und Infrastruktur.

Demokratisierung?

Anfang der 1990er Jahre ging eine Demokratisierungswelle durch viele afrikanische Staaten. Viele hat sie bis heute noch nicht erreicht und bis auf wenige Ausnahmen bedeutet offizielle Demokratie nicht, dass sie auch entsprechend umgesetzt wird. Viele Wahlen werden manipuliert und viele Regierungen sind korrupt.

„Many experiences in Africa show that elections do not guarantee democracy based on transparancy and a real development of political alternatives. […] And in many countries former military rulers and one-party presidents were returned in democratic elections.” (Rønning, 2005: 169)

Ein Beispiel dafür ist auch Nigeria, der sechstgrößte Ölförderer der Welt, das eines der reichsten afrikanischen Länder sein könnte. Die Wirtschaft ist schwach und immer wieder gibt es Benzinknappheit. Auch die Wahlen im April 2007 wurden von vielen Organisationen, auch von den Vereinten Nationen, kritisch beobachtet. Bereits im letzten Jahr versuchte der ehemalige Präsident Olusegun Obsanjano, der während der Militärdiktaturen bereits eine kurze Amtszeit inne hatte, eine dritte Amtszeit im Parlament durchzusetzen, was ihm vor allem durch seinen Vizepräsidenten Atiku Abubakar zu Nichte gemacht worden war. Abubakar war während seiner Amtszeit aus der regierenden Partei PDP (People’s Democratic Party) ausgetreten und in den Action Congress (AC) eingetreten. Nun trat er als deren Präsidentschaftskandidat an. Beide Politiker waren zudem seit Februar in einen Skandal um Veruntreuung öffentlicher Gelder verwickelt.

Der ghanaische Journalist Paul A.V. Ansah benannte die drei größten Krisen in Afrika und vor allem der afrikanischen Medien als „[…] the crisis of power, the crisis of ownership and the crisis of resources.” (Paul A.V. Ansah,1991, zitiert nach Rønning, 2005: 159)

Dennoch kam wie Nyamnjoh (2005: 53 ff.) beschreibt mit der Demokratisierungswelle auch eine Befreiung der Medien in vielen afrikanischen Staaten, eine Öffnung der Märkte auch durch Privatisierung, was zu einem Medienpluralismus führte. Radio und Fernsehen sind heute führend auf dem afrikanischen Kontinent, während die Presse in weiten Teilen nur eine geringe Verbreitung aufweisen kann. Das hat nicht nur mit der fehlenden Infrastruktur zu tun, sondern auch damit, dass Zeitungen nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung gelesen werden können aufgrund fehlender oder geringer Bildung und einer hohen Analphabetenrate. (vgl. Rønning, 2005: 161)

Ausbildung für afrikanische Journalisten 

Auch die Journalistenausbildung selbst unterliegt in vielen Ländern keinen professionalisierten Standards.

„The experience and education of media personnel in Africa are by and large low by international standards, so the professionalism of the products cannot compete with international products.” (Rønning, 2005: 164)

Bisweilen ist auch sie noch zentralisiert oder gar nicht vorhanden, da viele Menschen noch immer in Diktaturen oder kompletter Anarchie leben. (vgl. Rønning, 2005: 157) Das führt auch zu schwachen ethischen Standards, resultierend aus Unterbezahlung, Korruption und Manipulation. Beispielsweise haben Journalisten in Nigeria, Ghana und Kamerun bezahlte Artikel für Firmen und Politiker verfasst und veröffentlicht. (vgl. Rønning, 2005: 163) Unkaschierte Fotos von Opfern von Gewaltverbrechen sind ebenfalls keine Seltenheit in nigerianischen Zeitungen.
In weiter entwickelten afrikanischen Staaten gibt es bereits Journalistenorganisationen oder Presseräte, die sich für eine bessere Ausbildung, Mediengesetze und ethische Standards einsetzen. Die meisten von ihnen sind jedoch noch sehr schwach, wenn es um die Durchsetzungskraft geht.
Hinzu kommt eine geringe bis nicht vorhandene objektive Sicht der Dinge als Journalist aufgrund der starken ethischen Verwurzelung in Afrika.

„However, the tendency among African journalists and media to serve ethnic, religious and regional interests is also indicative of their predicament as professionals and institutions expected to fulfil liberal democratic functions in a context where people are clamouring, as well, for recognition and representation as cultural, religious and regional communities.” (Nyamnjoh, 2005: 57)

Statt aufzuklären und zu schlichten werden Journalisten zu Hass-Predigern, Propagandisten oder schlichten Unterhaltern.
Laut Reportern ohne Grenzen (RoG) gibt es immerhin einige afrikanische Länder, die vorbildlich sind wie Benin, das an 23. Stelle der RoG-Rangliste für Pressefreiheit 2006 steht, gefolgt von Namibia an 26. Stelle, Mauritius auf Platz 32, Ghana auf 34, Mali 35 und Süd Afrika an 44. Stelle.
Leider sind dies Ausnahmen, da die meisten afrikanischen Staaten am Ende der Rangliste stehen wie Äthiopien an 160. Stelle. Es ist um 29 Plätze nach unten gerutscht ist, nachdem 20 Zeitungsherausgeber zur gleichen Zeit verhaftet wurden, weil sie als Anführer der Oppositionspartei bezeichnet wurden. Ständige Verhaftungen von Journalisten setzten den Niger auf 95 und Kamerun auf 112.
Wegen wachsendem aggressiven Verhalten der Regierung gegen kommerzielle Medien steht Burundi an Platz 125. Nigeria steht auf Platz 120, Ägypten auf 133, Eritrea an 166. (vgl. Reporter ohne Grenzen, 2006)

Veränderungen durch das Internet?

In den letzten Jahren gab es viele Veränderungen durch das Aufkommen des Internets. Zugang gibt es fast überall - zumindest in den Städten. Nach den neuesten Statistiken der Internetseite www.internetworldstats.com (2007) bringt es Afrika als Region auf einen fünften Platz mit 33 Millionen Internetnutzern. Diese Angaben sind Hochrechnungen, da es in Afrika weit mehr „Nur-Internet-Benutzer” gibt als in Europa und Nordamerika registrierte Nutzer, die Flatrates oder Ähnliches benutzen.

Wenn man nun die Internet-Penetration betrachtet, welcher Anteil, gemessen an der gesamten Bevölkerung einer Region, wirklich Zugang zum Internet hat, landet Afrika auf dem letzten Platz mit gerade einmal 3,5 Prozent im Vergleich zur höchsten Penetrationsrate mit fast 70 Prozent in Nordamerika.

Trotz der im Weltvergleich geringen Internetverbreitung in ganz Afrika, ist das Internet der beste Zugang zu ausländischen Informationen für viele Afrikaner und selbst für die Journalisten. Die Qualität der eigenen afrikanischen Internetauftritte ist noch gering, wird aber zunehmend besser und professioneller. Und auch Nyamnjoh weißt darauf hin, dass die neuesten Zahlen eine positive Entwicklung im Internetmarkt in Afrika aufweisen, auch wenn sie im Welt-Vergleich eher gering wirken. „These figures […] do indicate rapid progress compared to 1996 when only 11 of Africa’s 54 countries had internet access.” (2005: 13)
Noch 1991 verfügten nur Ägypten und Tunesien als die ersten Länder auf dem afrikanischen Kontinent über Internetzugang. 1995 waren erst sieben Länder online: Sambia, Mozambique, Südafrika, Ägypten, Simbabwe, Namibia, Tunesien, und Ende 1998 verblieben nur noch drei Länder ohne einen lokalen Zugang: Eritrea, Libyen und Somalia. Heute haben alle afrikanischen Länder Internetzugang, seit im September 1999 Somalia als letztes afrikanisches Land online ging.

(Der Text ist ein Auszug aus einer Hausarbeit im Seminar “Global Journalism” an der Universität Dortmund. Benotung: 1,3. Wer die vollständige Hausarbeit als pdf lesen möchte, schickt mir bitte eine E-Mail: nicole_scherschun@gmx.de)

Quellen:

Nyamnjoh, Francis B. (2005): Africa‘s Media, Democracy and the Politics of Belonging. Pretoria: Unisa Press.

Rønning, Helge (2005): African Journalism and the struggle for democratic media. In: De Burgh, Hugo: Making Journalists. Diverse Models, global issues. New York: Routledge. 157-180.

Reporter ohne Grenzen (2006): Worldwide Press Freedom Index 2006. [online] http://www.rsf.org/article.php3?id_article=19386. (10. Januar 2007)

Internetworldstats (2007): Usage Statistics - The Big Picture. World Internet Users and Population Stats. [online] http://www.internetworldstats.com/stats.htm (20. Januar 2007)