Ach du meine Güte. Einen Monat später kommt nun der versprochene Reisebericht. Aber besser als nie und er ist mal wieder typisch Nigeria…:-) Mit ganz vielen Fotos…

Nach etlichen Verschiebungen unserer Reise fuhren wir endlich am 23. Oktober in Richtung Hauptstadt. Wir mussten sehr früh aufstehen, um den Bus um 6:30 Uhr nach Abuja zu bekommen - jedenfalls, wenn man nach deutschen Maßstäben lebt. Denn nach nigerianischen hätten wir auch ruhig erst kurz vor acht aufkreuzen können.

So sah der Busbahnhof der Firma Chisco aus. Und hier haben wir dann auch die eineinhalb Stunden Wartezeit verbracht.

Julia hatte zum Glück ein paar Fotos gemacht - war ja auch genug Zeit.;-) Und kurz vor 8 Uhr ging es dann auch endlich los. (Die Frau am Fahrkartenschalter hatte übrigens am Abend zuvor noch extra Zettel an unsere Fahrkarten getackert mit der Aufschrift: “Be on Time: 6:30″)
Die Fahrt nach Abuja dauerte etwa acht Stunden. Ich war so froh, dass wir endlich etwas vom Rest des Landes sahen, denn Nigeria ist wunderschön. Auf unserem Weg kamen wir an dichtem Wald vorbei - tropischem Wald.

Unglaublich wie sauber und grün Nigeria ist, wenn man außerhalb von Lagos umherfährt. Die Straßen sind allerdings nicht viel besser. Schlaglöcher überall und das Hupen konnte unser Fahrer auch nicht lassen. Alle zwei bis fünf Minuten. Neben dem Wald kamen wir auch an vielen kleinen Dörfern oder Straßenmärkten vorbei. Menschen, die den ganzen Tag an der Straße sitzen und Tomaten, Äpfel, Ananas, Bananen oder Yams zu verkaufen.

Zu unserem Glück lebt einer von Ganiyus Onkeln in Abuja. Er holte uns ab und fuhr uns zu einem Hotel. Julia und ich hatten uns zwar viele Informationen aus unserem Reiseführer besorgt, doch letzten Endes fuhr uns Ganiyus Onkel in ein ganz anderes Hotel. Wir hatten dann noch einmal Glück, denn er arbeitete mal in der Hotelbranche und kannte einige Leute in dem Hotel, so dass wir einen sehr guten, günstigen Preis für unser Zimmer bekamen und auch nicht die Kaution bezahlen mussten.

(Unser Hotel: mit Pool und Restaurant und fließendem, warmem Wasser)
Am ersten Tag war Abuja-Sightseeing dran:
Abuja ist erst seit 1991 die Hauptstadt Nigerias. Vorher war es natürlich Lagos. Abuja ist eine konstruierte Stadt - ähnlich wie Brasilia. Deshalb sehen die Straßen und Viertel aus wie mit dem Lineal gezeichnet. Abuja ist Aushängeschild und so sieht alles sehr imposant aus: die Gebäude, die großen, breiten Straßen und die Sauberkeit. In Abuja sind natürlich alle Ministerien und Ländervertretungen der Bundesstaaten und auch viele internationale Organisationen wie die UN vertreten.

(Das Verteidigungsministerium, das auch das “Schiff” genannt wird aufgrund der Form des Gebäudes.)

Die Gebäude sehen alle sehr modern aus und sauber. Beachtet auch die tolle Straße - ohne Dreck und Schlaglöcher. Es gibt sogar Ampeln und Fahrbahnmarkierungen.
Auf dem rechten Bild ist die Nationale Moschee.

Links: Die Nationale Christliche Kirche. Rechts: Der Millenium-Park. Es gibt doch tatsächlich einen Park und der sieht auch sehr schön aus. Man kann sich da richtig entspannen.


Wir durften leider keine Fotos vom Regierungsviertel machen. Da Nigeria kein Touristenland ist, sind die Einheimischen auch nicht an fotografierende Touristen gewöhnt. Als wir die UN von außen (wirklich weit weg) fotografieren wollten, wurden wir fast verhaftet. Man darf nirgendwo Fotos machen, deshalb haben wir die meisten Aufnahmen aus dem Auto heraus gemacht, um ja nicht aufzufallen.
Der zweite Tag in Kaduna:
Am zweiten Tag machten wir uns auf in den Norden Nigerias - nach Kaduna. Wir wollten sehen, ob der muslimische Norden wirklich anders aussieht wie es unser Reiseführer beschrieb: also trockener und heißer, sandiger und noch muslimischer. Kaduna ist etwa drei bis vier Stunden von Abuja entfernt. Unseren Transport hat ein “Taxi” übernommen.

Zu neunt (inklusive Fahrer) fuhren wir auf den schlaglöchrigen Straßen ohne Klimaanlage in der heißen Mittagssonne in den noch heißeren Norden. Ich habe mich wirklich gefragt, warum ich mich eigentlich geduscht hatte. Ich war schon vollkommen durchgeschwitzt bevor wir losgefahren waren. Wir hatten um die 40 Grad im Schatten. Weiteres Problem daran: Da es nirgendwo öffentlich Toiletten gibt, mussten wir aufpassen, dass wir nicht zu viel trinken.
Auf unserem Weg in den Norden veränderte sich die Landschaft relativ schnell. Der Boden wurde roter und staubiger. Die Vegetation grasiger. Wir sahen mehr Kakteen und kaum mehr den dichten, saftig grünen Wald.

Außerdem sahen wir auch eine echte Touristenattraktion Zuma Rock - so etwas wie der Ayers Rock in Australien, nur nicht so bekannt.

In Kaduna gingen wir zuerst ins Museum. Leider waren das nur zwei Räume, jeweils etwa 30 Quadratmeter groß. Das Highlight war das Haussa-Dorf im Vorgarten des Museums. In Nigeria gibt es etwa 250 verschiedene ethnische Gruppen. Die drei größten sind die Igbo im Südosten des Landes, die Yoruba im Südwesten und die Haussa im Norden. Haussa und Yoruba sind übrigens zwei komplett unterschiedliche Sprachen. Wenn man die Subdialekte und Sprachen mitzählt kommt man auf insgesamt 500 verschiedene in Nigeria. Da wird die Verständigung ganz schön kompliziert, denn nur ungefähr die Hälfte der Nigerianer spricht auch Englisch. Denn das lernt man in der Schule und wenn man nicht hingeht, dann … Das könnt ihr euch ja vorstellen.

So sah das Dorf aus. Der junge Mann im rechten Bild wohnt und arbeitet dort. Er ist ein Haussa. Und auch diese Herren sind Haussa in traditionellen Gewändern.

Nach dem Museum gab es nicht mehr viel zu sehen in Kaduna. Wir fuhren noch ein bisschen auf Okadas herum, merkten aber schnell, dass Kaduna Lagos sehr ähnlich ist. Es ist zwar nicht ganz so dreckig, aber die Abwasserkanäle gibt es dort auch. Die Märkte sind gleich, die Häuser und Straßen. Es ist staubig und laut. Und so machten wir uns relativ schnell wieder auf den Weg zurück nach Abuja. Wir hatten schließlich noch eine mehrstündige Fahrt vor uns. Wir wollten nämlich nicht im Dunkeln ankommen und schon gar nicht fahren. Die Sicherheit auf den Landstraßen ist dann gar nicht mehr gegeben und als Weiße muss man sein Unglück ja nicht forcieren.
Der dritte Tag:
Ein Gammeltag! Wir schliefen aus und gingen dann tatsächlich zum ersten Mal spazieren seit wir in Nigeria angekommen waren. Also Julia und ich, denn Ganiyu - nicht ans Spazieren gehen gewöhnt - schaute lieber Fußball im klimatisierten Hotelzimmer.
Spazieren gehen in Abuja macht richtig Spaß, denn schließlich gibt es Bürgersteige und die Autofahrer hupen kaum, so dass die Lautstärke relativ angenehm ist.
Vierter Tag:
Nach etlichen Überzeugungsversuchen konnten wir Ganiyu endlich überreden doch nach Jos zu fahren - dem Touristenanziehungspunkt Nigerias. Die Stadt Jos soll sehr schön sein, die Umgebung, die Natur und es gibt einen sogenannten Wildlife-Park. Da Julia und ich schließlich nach Afrika geflogen sind, müssen wir uns auch ein paar Elefanten und Löwen anschauen - na, ja, mir persönlich war das eher Schnuppe.
Das Problem an Jos war, dass in den vier vorangegangen Wochen gewaltsame Auschreitungen das Stadtbild geprägt haben. Einige haben versucht den Gouverneur zu entmachten. Der hat dann alle polizeilichen Kräfte mobilisiert und da hier leider “Shoot at Sight” gilt, also es soll geschossen werden, sobald Sichtkontakt besteht, wäre es in dieser Situation wirklich gefährlich gewesen für uns - vor allem als weiße Leuchtraketen.
Jedenfalls war die Lage an diesem Tag ruhig und sicher. Und so setzten wir uns wieder in einen dieser Taxi-Autobusse und ab ging’s nach Jos.

Vier Stunden später und wieder klitschnass kamen wir in Jos an, das sich auf den ersten Blick nicht von Kaduna unterschied. Erstes Ziel: der Wildlife-Park. Wir pfiffen uns zwei Okadas heran und auf ging’s - im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Park liegt auf einem Berg, 750 Meter.
Im Park dann: Ernüchterung. Wegen Geldmangel sieht der Park ziemlich heruntergekommen aus. Es war ein Trauerspiel sich einige Tiere anzuschauen. Bei den Affen ging’s noch.

Doch der eine kleine arme Elefant, der in einer Grube verzweifelt nach Wasser suchte und sich den letzten Rest samt Schlamm auf den Kopf warf, war schon sehr grausam.

Vogel Strauß und seine Verwandtschaft hatte es da schon besser: größeres Gehege, das mehr an “Wildlife” erinnerte.
Ganiyu und ich haben dann auch ein bisschen “Jenseits von Afrika” gespielt.

Es gab übrigens noch ein paar schlafende Löwen im Käfig, ein totes Krokodil im Käfig und ein Python, fast tot, im Käfig.
Trotzdem hat es uns gut gefallen. In Jos war es trotz der Sonne nicht soooo heiß und die Natur und Umgebung war wunderschön.



Am Samstag ging es dann wieder nach Hause, nach Lagos. Wieder eine ewig lange Busfahrt. Wir haben wahrscheinlich mehr in Bussen und Autos gesessen als uns Dinge angeschaut. Nigeria ist eben riesengroß.