25.07.2013

Mal wieder völlig übertempelt

Dritte Station meiner Pilgerreise: Amritsar – die “Hauptstadt” der Sikhs. Hier steht der goldene Tempel, hier steht der silberne Tempel, der Mata-Tempel für Fruchtbarkeit und und und… Ich habe sie alle besucht.

Und ich war bezaubert. Noch nie in meinem Leben habe ich so viel Zeit und so gerne meine Zeit in Tempeln verbracht – morgens, mittags, abends, um alle Stimmungen mitzuerleben.

Am Abend am goldenen Tempel

Eher überflüssig war dagegen mein Ausflug an die indisch-pakistanische Grenze, um den Wachwechsel mitzuerleben. Man sollte eben doch nicht alles machen, was der Reiseführer empfiehlt.

Zurück zu den schönen Seiten des Aufenthalt in Amritsar. Der goldene Tempel – …

Ich saß bestimmt mehr als eine Stunde einfach am Wasser, hörte den Gesängen zu, beobachtete die Leute und ließ meinen Gedanken freien Lauf.

Tempelkomplex mit Museum und Riesenkantine

Ein wunderbarer Platz zum Abschalten – mitten in einem sehr chaotischen Viertel mit hunderten kleinen Straßen, hupenden Rikschas, Motorrädern und Autos und vielen, vielen Touristen und Pilgern.

Die Hindus haben es sich nicht nehmen lassen, einen ähnlichen Tempel zu bauen. Der Durgiana-Tempel oder silberne Tempel ist die kleine Ausgabe. Wesentlich ruhiger und weniger besucht, aber auch sehr schön.

...Ruhe am Morgen

Grelle Sonne, aber schönes Licht

Ich bin früh am Morgen hingefahren. Bis etwa 10 und dann wieder am Abend wird ebenfalls im Tempel gesungen. Trotz der wenigen Besucher wurde ich wieder abgefangen…um fotografiert zu werden. In Amritsar wurde ich wirklich auf Schritt und Tritt nach Fotos gefragt – bis hin zu meinem Verdienst. Diese Familie war aber sehr nett – seitdem nehme ich mit jedem, der mich fragt auch ein Bild auf. Ich habe schon eine stolze Sammlung.

...und noch mal einzeln mit jedem

Für Irritation sorgt immer noch der Satz: “One Rupee, one photo.” Aber das sage ich meistens nur bei Jungs, die mich in Gruppen nach Fotos fragen. Alles Spaß natürlich!

So, und aller guten Dinge sind drei: der Mata-Tempel. Wieder ein Hindu-Tempel für die Göttin der Fruchtbarkeit. Viele Frauen, die schwanger werden wollen, sollen hierher zum Beten kommen, sagt zumindest der Reiseführer. Ich habe nicht gebetet, sondern mit offenem Mund über die recht gewöhnungsbedrüftige Architektur des Tempels gestaunt. Wie Alice im Wunderland habe ich mich gefühlt: durch labyrinthartige Gänge laufen, vorbei an Götterfiguren, durch Löwenmäuler schreiten, durch Höhlen kriechen und durch Wasser waten.

Durch die Höhle des Löwen...

Vorbei an Figuren verschiedenster Götter

Kriechend...

...durchs Wasser

Noch viel skurriler als dieser Tempel war allerdings der Wachwechsel an der indisch-pakistanischen Grenze. Etwa eine knappe Autostunde entfernt von Amritsar ist der Übergang. Jeden Tag zelebrierend Indien und Pakistan der Wechsel der Wachen, umjubelt von Hunderten Schaulustigen und unter pompösen Musikeinsatz.

Abgesetzt wurden wir etwa einen Kilometer von der Grenze entfernt. Dann ging es zu Fuß weiter, vorbei an mehreren Kontrollen. Die Inder rannten wie die Verrückten und pressten und drängten. Ich wurde teilweise von der Menge einfach mitgerissen und hatte keine Kontrolle mehr über meine eigenen Bewegungen. Teilweise hatte ich das Gefühl, hier wird grad die Grenze geöffnet – die Mauer ist gefallen – oder es gibt Gratisautos oder Ähnliches.

Rennen zur ersten Kontrolle

Quetschen, Drängen - und Vordrängeln

Vier Kontrollen später durften wir uns in den Ausländerbereich auf die Tribüne setzen und wurden dauerbeschallt mit Popliedern und traditionellen Gesängen. Ich fand es nur zum Schaudern, als Hunderte Inder mehr als eine Stunde lang immer wieder “Hindustan” schrien.

Blick nach Indien

Blick nach Pakistan

Am besten fand ich noch den Typen unten links im Bild. Mitten in der Zeremonie fing er an, den Rasen zu mähen. Sehr zur Belustigung der Touristen. Nach wenigen Minuten kamen ein paar Soldaten, um mit ihm zu sprechen. Er machte danach aber einfach weiter – unbeirrt vom Wachwechsel. Die Musik war ja auch immer noch lauter als er. :)

Die Wachen schritten zum Zaun, vollführten irgendwelche lustigen Bewegungen, hissten die Fahnen erneut und schritten dann zurück. Sechs Stunden vergeudete Lebenszeit!

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