17.07.2013

Auf persönlicher Pilgerreise

Seit ich ohne Leila unterwegs bin, reise ich von einem heiligen Ort zum nächsten. Ist ja auch nicht schwer in Indien: Viele Religionen, viele Orte, an denen jemand etwas Heiliges hat fallen lassen, meditierte oder Erleuchtung fand. Und das quer durch viele Religionen. Ich konzentriere mich derzeit auf Hinduismus, Buddhismus und Sikhismus. Tempel, Aarti, Pooja, meditieren, Glockenläuten und durch heiliges Wasser waten. ;)

Angefangen hat alles in Pushkar, bekannt für den größten Kamel-Markt der Welt im Oktober/November und ganzjährig als Hindu-Pilgerstätte in Rajasthan. Hier hat Brahma eine Lotusblume fallen lassen. An dieser Stelle ist heute der heilige See, an deren Ghats tausende Hindus ein Bad nehmen.

Fotos der Ghats und Badenden aus der Nähe sind verboten

UND: In Pushkar steht  einer der wenigen Brahma-Tempel weltweit. Gelesen habe ich sogar der einzige in Indien. Das kleine Pushkar hat hunderte Tempel, wirklich alle zwei Meter einen. Doch Brahma-Besonderheit hin oder her: Als Atheistin sehe ich die Pilgerei als Sport. Jeder Tempel auf Bergen reizt mich eher und so startete ich statt Brahma einen Besuch abzustatten direkt mit einer 6-Uhr-Wanderung auf den Savitri-Tempel, hoch oben auf einem Berg. Begegnet bin ich dabei Rakesh – dem nettesten Teeverkäufer Indiens.

Rakeshs Teestand ist unten links im Bild

Gerade hat auch in Pushkar die Regenzeit angefangen. Seit gut drei Wochen regnet es immer mal wieder für ein paar Stunden. Daher hatte ich bei meiner Frühwanderung nicht so viel Glück mit dem Wetter. Statt klarem Sonnenaufgang gab es eher mystisch vernebelte Aussicht. Luftfeuchtigkeit fast 100 Prozent.

Los ging es mit harmlosen Treppen

Dann kamen spitze Steine und steile Stücke

Der Savitri-Tempel selbst ist eher unspektakulär. Zahlreiche Affen hängen rund um den Tempel in den Bäumen und auf den Dächern und warten auf Essensreste der Pilger und Touristen. Viel spannender als den Tempel fand ich diese Würmchen, die auf dem Weg zum Tempel und am gesamten Gebäude hingen.

Das große Kriechen

Sie krochen auf den Treppen, den Steinen entlang und an den Mauern, über meine Schuhe, die ich vor dem Tempel ausziehen musste. Nur während der Regenzeit kommen sie raus, habe ich mir sagen lassen. An dem Tag habe ich noch häufiger solche Ansammlungen gesehen.

Auf dem Weg wieder runter zu Rakeshs Teestube konnte ich doch noch ein Bildchen mit besserer Sicht von Pushkar machen.

Fix und fertig - mit heiligem See im Hintergrund

Nun zu Rakesh, meinem persönlichen Fremdenführer in Pushkar:

... Milch, schwarzer Tee, Zucker und eine Prise Kardamom

Der 26-Jährige ist nie zur Schule gegangen, kann weder lesen noch schreiben und spricht dennoch richtig gut Englisch. Learning by meeting tourists.

Mit 15 Jahren wurde er verheiratet, Anfang 20 bereits Vater. Seine kleine Tochter, seinen Sohn und seine Frau, samt Eltern habe ich dann ein paar Stunden später kennengelernt. Früher hat er als Träger für die Shops oben am Tempel gearbeitet. In weniger als einer Viertelstunde ist er da den Berg hoch gerannt – ich habe fast eine Stunde gebraucht, aber mit Pausen natürlich. Noch immer schafft er es in einer Rekordzeit da hoch.

Rakesh hat mich dann zu einem Ausflug zum Shiva-Tempel überredet, wobei nicht der Tempel ausschlaggebend war für meine Zusage, sondern die Aussicht auf eine tolle Fahrt und die Landschaft.

Mit Rakesh und einem seiner Freunde

In der Mitte des Tals steht der Shiva-Tempel

Atemberaubend war die steinige, hügelige Landschaft. Atemraubend die Hitze am Nachmittag: Die Sonne brannte nur so auf uns herab und ich hatte am Abend doch sogar einen kleinen Sonnenbrand.

Verschnaufpause

Wir hätten es da wie die Hunde machen sollen: Löcher graben und darin eindrehen. Erdkälte statt Erdwärme.

Relaxen im Schatten

Überall in Pushkar liefen noch weitere Tiere frei herum: borstige schwarze Schweinchen, jede Menge Kühe – wirklich unheimlich viele Kühe, alle zweit Meter eine, mindestens – Affen, Streifenhörnchen und Pfauen.

Der erste ist aus dem Bild gerannt, aber der stand still

In Pushkar, einer der Touri-Hochburgen Indiens, hatte ich übrigens keinerlei Kontakt zu anderen Touristen. Dafür aber umso mehr Kontakt zu Indern.

Neben Rakesh hat mich auch die 16-Jährige Raju am heiligen See abgefangen – natürlich um mir was zu verkaufen. Dafür habe ich dann auch eine Musikeinlage von ihr und ihrem Bruder bekommen, eine gemeinsame Teepause, eine Kette und fünf Einladungen zu ihr nach Hause. Auch ihre Mutter habe ich kennengelernt und zwei ihrer Schwägerinnen bei der Teepause.

Traditionelle Lieder aus Rajasthan

Brahma-Tempel: versteckt unter dem weißen Sonnenschutz

Am Anfang erwähnt, am Ende gezeigt – zumindest den Eingang: der Brahma-Tempel in Pushkar. Fotografieren ist ansonsten nicht erlaubt. Im Inneren ist der Tempel in hellem Blau gehalten. Hunderte Pilger wuseln umher, huldigen Brahma, läuten die Glocken, verneigen sich auf den Stufen vor der Brahma-Statue, laufen im Uhrzeigersinn um das Tempelgebäude, legen Süßes und Blumen dem Gott zu Ehren ab.

Nach meinem hinduistisch geprägten Ashram-Aufenthalt habe ich mich nun mittlerweile auch in Bezug auf Sikhismus weitergebildet. :) Amritsar ist die “Hauptstadt” der Sikhs und der goldene Tempel hier wirklich tausend Mal beeindruckender als jeder andere Tempel, den ich bislang hier gesehen habe.

Statt zum Dalai Lama nach Dharamsala zu fahren (nur sieben Busstunden entfernt), reise ich nun doch direkt nach Chandigarh weiter. Vorletzte Station dieser Indienreise. Dann Delhi. In genau einer Woche packe ich dort meinen Rucksack, um zurück nach Deutschland zu fliegen.

Die Kommentare sind geschlossen.

Kategorien