10.07.2013

Zischelnde Götter

Einen Großteil unserer letzten gemeinsamen Woche haben Leila und ich in Ahmedabad, im Bundesstaat Gujarat, verbracht. Dort in der Nähe lebt der Stamm der Wadi. Ein ursprünglich nomadisches Volk, das sich über Jahrhunderte  seinen Lebensunterhalt mit Zaubertricks und Schlangenbeschwörung verdiente.

Bei der Kobra habe ich Abstand gehalten. Bei einer der anderen Schlangen, die der Beschwörer in einem großen weißen Sack dabei hatte, habe ich mich ein bisschen näher herangetraut.

Schlangen werden in Indien als Götter verehrt. Auch die Wadi sagen, sie behandeln ihre Schlangen wie Götter. Dennoch ist es ihnen per Gesetzt seit vielen Jahren verboten ihre traditionelle Profession auszuüben. Nur noch ganz wenige Kinder kennen daher die Tricks und Kniffe.

Einer der Söhne des Schlangenbeschwörers

Da wir noch einen Beitrag aus dem Material machen wollen, verrate ich nicht zu viel. Bald kann man dann alles nachhören.

Außer Interviews haben wir uns natürlich noch Ahmedabad angeschaut. Viel Sehenswertes gab es nicht…ein paar nette Parks, sogar eine Art Vergnügungspark rund um einen See mit Heißluftballon, Klettergarten, Aquarium, Bimmelbahn und jeder Menge Snackbuden.

Ein Highlight war dieser tolle Stufenbrunnen, der seit Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, ausgetrocknet ist.

Ahmedabad hat sogar einen relativ sauber aussehenden Fluss und eine Promenade. Leider ist diese im “je-mehr-Beton-desto-besser”-Stil gebaut, so dass man trotzdem keine Lust hat, dort entlang zu spazieren.

Ansonsten regiert der ganz normale Rikscha-, Taxi- und Verkaufswahnsinn auf den Straßen. Keine Unterschiede zu anderen indischen Großstädten, die um die vier Millionen Einwohner haben.

Hotels, Hotels, Hotels am Ufer

Ein kleiner Big Ben

Ich bin nun seit fünf Tagen allein unterwegs. Mittlerweile bin ich in einem Ashram in der Nähe von Haridwar im Norden Indiens. Hier im Bundesstaat Uttarakhand gab es weiter oben in den Bergen diese schrecklichen Überflutungen.

Auch in Haridwar sieht man noch die Auswirkungen der starken Regenfälle. Der Ganges fließt direkt hinter dem Ashram vorbei und reißt jeden Tag mehr Land und Bäume mit sich. Mit einem riesigen Krachen sacken die gigantischen alten Banyanbäume in die Fluten. Sieht und hört sich bedrohlich an. Noch sind bestimmt zehn, 15 Meter zwischen dem Garten des Ashram und dem Ganges. Es regnet nur noch ein paar Minuten am Tag, so dass alle auf das Beste hoffen.

Im Ashram ist es ansonsten – wie erwartet – sehr entspannt. Wir machen Yoga, meditieren und lesen und genießen die Ruhe. Seit gestern praktiziere ich auch Karma-Yoga…fegen, putzen, sauber machen…aber nicht als Arbeit, sondern als self-service, Hingabe oder uneigennützige Tätigkeit. Man lernt nie aus! :)

In ein paar Tagen fahre ich weiter nach Amritsar – weiter in den Norden, an die indisch-pakistanische Grenze.

Kommentare

[...] Ahmedabad, Gujarat, Ende Juni 2013: Es war unser letzter Arbeitstermin, unsere letzten Interviews, die wir in Indien für die Arbeit führten. Der Termin war jedoch einer der aufregendsten, die wir je hatten. [...]

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