Nach „relax activo“ kommt am Ende der Reise auch mal „reflekt activo“. Ich bin allein per Flugzeug etwa 31.000 Kilometer geflogen – inklusive aller Hin-und Rückflüge in fünf Wochen. Hinzukommen ewig lange Busfahrten von insgesamt fast 5000 Kilometern, fast einmal quer über den südamerikanischen Kontinent. Meine Ökobilanz ist miserabel: Mein klimaverträgliches Jahresbudget von 3000 kg Kohlenstoffdioxid ist weit überschritten. Nur mit den Flügen liege ich bei fast 10.000 kg CO2. Soviel zur Umweltverträglichkeit dieser tollen Reise.

Erleben, genießen, entspannen auf der einen Seite, Umweltbelastung hoch zehn auf der anderen. Gepäckbilanz: gestartet mit 13 Kilogramm, auf dem Rückweg wog mein Rucksack dann 17 Kilogramm. Ich musste mir aber am letzten Morgen noch einen großen Trolley kaufen, um die restlichen 15 Kilogramm zu verstauen. Ich weiß nicht, wo das ganze Zeug herkommt, aber ich sollte meine Einstellung ändern. Ich brauche ja „eigentlich“ nicht viel. Vielleicht haben die 3000 Fotos, die ich während der fünf Wochen gemacht habe, doch Gewicht, oder zwanzig Kilo Alfajores, die zehn Kilo Eis oder die 1000 Medialunas…

Iguazu 1

Die Natur ist einfach großartig - unbeschreiblich schön. Keine Worte können je auch nur annähernd beschreiben, umschreiben welches Erlebnis die Wasserfälle in Iguazu bieten. Alle zehn Meter sehen sie anders aus. Man denkt, man hat die Wasserfälle gesehen, aber dann fährt man auf die andere Seite, die in unserem Fall Brasilien war und hat einen entfernteren Blick auf das Naturwunder. Plötzlich sehen die Wasserfälle wieder anders aus, noch imposanter, dafür aber aus der Ferne.

Iguazu 1

Kein Bauwerk, nichts, was der Mensch je erschaffen hat, kommt auch nur annähernd an die Schönheit und Kraft der Wasserfälle heran. Ich kann nicht einmal eine echte Bildauswahl treffen, weil die Fotos doch alle anders aussehen. Brasilien und Argentinien teilen sich die Wasserfälle, wobei die meisten von den 2,7 Kilometerlangen Wasserfällen auf argentinischer Seite liegen und man von dort aus auch richtig nah an die Fälle herankommt. Die Iguazu-Wasserfälle sind nicht so hoch, dafür einfach riesig im Ausmaß. Etwa 275 verschiedene Wasserfälle gibt es hier, die auf mehreren Ebenen gigantische Wassermassen umwälzen. Wo kommt das ganze Wasser her und wo geht es hin, fragten wir uns mehrfach!

Iguazu 3

Ich habe mehrere Videos gemacht, um die Wucht und Stärke irgendwie einzufangen, die auf den Fotos nicht so recht deutlich wird. Wartet auf das Ende des Videos, da sind Naima und ich zu sehen und mittendrin.

Iguazu-Wasserfaelle

Iguazu von allen Seiten: Hier kommen noch mehr Fotos!

Es sind vier Wochen vergangen und ich habe das Gefühl, dass ich bereits seit vier Monaten unterwegs bin. Zum wiederholten Mal denke ich an das Glück, das ich habe, so reisen zu können und nun auch noch Naima ein Stück auf ihrer Weltreise begleiten zu können. Wenn man bedenkt, dass wir es geschafft haben, ohne Zwang und große Verabredungen uns auf diesem riesigen Kontinent in einer relativ kleinen Stadt zu treffen - einfach grandios.

Naima und ich in Iruya 2

Es war unglaublich, als ich von einem kurzen Spaziergang in die Stadt Jujuy, wo unsere Reiserouten zusammenprallten, nur etwa zwei Stunden von Salta entfernt, zurück ins Hostel kam und Naima plötzlich hinter der Tür stand. Wir hatten uns natürlich vorher per E-Mail in einem Hostel verabredet, aber zu welcher Uhrzeit jeder von uns eintrudelt, war nicht klar. Fast zehn Monate hatten wir uns bis dahin nicht gesehen. Wir quatschten fast 24 Stunden durch - mit etwa drei Stunden Schlaf dazwischen. Das Wetter in Jujuy unterstützte unseren Redefluss: Es regnete am Sonntag, so dass wir den ganzen Tag in einem Café und in der Küche unseres Hostels verbrachten. So beschlossen wir auch, nach Iruya zu fahren, wo es wärmer, sonniger und bergiger war, und wo wir endlich gemeinsam wandern, Tiere bestaunen und aktiv relaxen konnten - fernab von jeglicher moderner Zivilisation.

Hostel Frühstück

(Unser Ausblick beim Frühstück!)

Schreibfaul…war ich in der vergangenen Woche. Aber aus gutem Grund: Naima und ich haben uns am vergangenen Samstag in Jujuy endlich, endlich getroffen. Nachdem wir fast 24 Stunden durchgequatscht haben, sind wir dann sechs Stunden Bus nach Iruya in die nordargentinischen Berge gefahren zum Wandern und Relaxen. Dort gab es kein Handynetz und das Internet war sooo langsam, dass wir in einer Stunde gerade mal so fünf E-Mails lesen und eine schreiben konnten. Gestern, am Donnerstag, sind wir nach 33 Stunden in fünf Busen in Puerto Iguazu angekommen, um uns die größten Wasserfälle der Welt einmal von argentinischer und dann von brasilianischer Seite anzuschauen - auch Paraguay ist nur einen Katzensprung entfernt.

Meine Zeit in Argentinien fing aber im Nordwesten in Salta an, wo ich einen Teil meiner Super-Gang aus San Pedro wiedergetroffen habe: Cecilia. Und wozu? Natürlich zum Feiern nach 24 Stunden in zwei Busen.

Feiern in Salta

Von Salta aus habe ich dann zwei Touren gemacht: In die Weinregion rund um Cafayate und in die Wolken auf 4000 Metern Höhe und Salzwüste rund um Purmamarca.

Cafayate 1

16.09.2011

Free like a bird

Freiheit, fliegen, fühlen - Paragliding in Iquique. Das Gefühl ist spektakulär, genauso wie der Ausblick. Ein wahnsinnig toller Sport, vor allem in Iquique, denn dort hat man Berge hinter einer gigantisch großen Sanddüne wie in der Wüste, die direkt übergeht in Strand und den rauschenden Pazifik. Was für eine Kulisse!

Paragliding 1

Fünf Tage in San Pedro de Atacama fühlen sich an wie Urlaub vom Urlaub. Ich dachte schon im Süden Chiles und in Santiago bei Anne, wie toll dieser Urlaub ist. Aber diese fünf Tage haben alles getoppt - vor allem wegen der Leute, die ich hier kennengelernt habe… unsere Hostal-Rural-Gang.

Hostal Rural Gang 1

Time of my life…getting better and better! Heute Abend fahre ich ab nach Iquique, um dort morgen früh über die Stadt zu schweben und am Strand zu landen - nach 30 Minuten Paragliding. Ich freue mich so darauf! Und danach geht es dann direkt nach Argentinien - nach Salta.

Gestern Abend sind wir noch zum Sonnenuntergang in das Valle de la Luna geradelt - atemberaubend. Immer und immer wieder!

Valle de la Luna 1

Allein…bin ich zwar losgeflogen, aber seither war ich nur zwei Tage wirklich allein unterwegs. Mich haben so viele Leute vor Abflug gefragt, ob ich nicht Angst hätte so “allein” zu reisen. Und ich habe von Anfang an gesagt, dass Backpacking bedeutet, dass man eigentlich ständig neue Leute kennenlernt. Und so ist es auch! War es immer! Allein heißt nicht immer allein! Zuletzt war ich wirklich allein im kalten und touristenleeren Punta Arenas für zwei Tage, wo ich dann aus purem Touri-Aktionismus eine Fährüberfahrt nach Feuerland gemacht habe. Am Ende eine Schnappsidee: Da gibt es derzeit nichts zu sehen und ich habe mir dann noch eine dicke Erkältung mit Schüttelfrost, krassen Gliederschmerzen, leichtem Fieber und Halsschmerzen eingefangen.

Porvenir Feuerland

Das musste ich dann auch noch alles am Mittwoch in drei Flügen in den Norden aussitzen. Um vier Uhr morgens holte mich das Taxi ab und am Abend gegen halb neun war ich endlich in San Pedro de Atacama, wo es tagsüber schön warm ist, Sonne pur, tolle Leute… - und ich bin wieder einmal nicht allein. Ein Stückchen Heimat habe ich sogar hier aus Magdeburg. Zufälle gibt’s!

Valle de la Luna Atacama

7.09.2011

Eis, Eis, Baby

Die Küste des chilenischen Teils Patagoniens besteht aus zahlreichen Fjorden und Gletschern. Um nah an sie heranzukommen, nimmt man am besten ein kleines Schiff und sechs lustige Brasilianer (zwei sind nicht auf dem Bild), die für ausreichend Unterhaltung sorgen.

Gletscher-Gruppe

Um 8:00 Uhr morgens haben wir mit einem Kutter den Hafen von Puerto Natales verlassen in Richtung des „Fjords der letzten Hoffnung”. Unsere Ziele: die Gletscher Balmaceda und Serrano.

Vor Serrano nah

…- ERLEBEN. Demütig steh ich da, blicke in die Ferne, auf die mit Eis und Schnee bedeckten Gipfel der Torres del Paine, auf die halbgefrorenen Seen des chilenischen Nationalparks, auf die trotzdem mit grünen Büschen bedeckten Hügel. Die pure Schönheit dieser Landschaft kann kein Fotoapparat einfangen, kann kein Mensch in Gänze erfassen. Die körperliche Anstrengung von 20 bis 30 Kilometer langen Märschen, Aufstiegen, Abstiegen ist fast vergessen, wenn man auf blau glitzernde Gletscher blicken kann, die Sonne auf weite gelbe Grasfelder scheint und man Puma-Spuren im Schnee entdeckt. Selbst die Kälte ist fast vergessen, die uns am Abend vor den Ofen trieb und am Morgen nicht aus den warmen Schlafsäcken kriechen ließ. Was für wundervolle drei Tage…

Torres 1

Und ich war - wie ich vermutete und gehofft hatte - nicht allein. Am frühen Morgen hatte ich Tobias aus Österreich und Sonja aus dem schönen deutschen Münster im Bus in den Nationalpark getroffen. Gemeinsam haben wir uns dann auf den ersten 20 Kilometer langen Marsch zum Refugio - der Herberge - gemacht.

Drei zusammen

Schneebedeckte Felder soweit das Auge reicht, in der Ferne ragen auch ein paar schneebedeckte Berggipfel empor. Ein paar Schafe weiden auf der gefrorenen Erde, auf der Suche nach ein paar Gräsern.

Torres Anfahrt 1

Wenn die Temperaturen in den nächsten Wochen steigen, wird sich die Landschaft hier am Ende der Welt in eine sumpfartige Steppe verwandeln. Ich bin in der Nähe der Straße des Magellan, im tiefsten Süden Chiles -  und der Welt. 1000 Kilometer sind es nur noch bis zur Antarktis. Weitere drei bis dreieinhalb Stunden Flug liegen hinter mir. Von Punta Arenas aus bin ich dann drei weitere Stunden mit dem Bus unterwegs gewesen nach Puerto Natales. Von hier aus will ich nun den Nationalpark „Torres del Paine“ erkunden – mitten in Patagonien, drei Tage allein durch den Park trekken. Back to nature!

Torres Anfahrt 2


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